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ESCCAP CH / Newsletter 09, 2022 / Jagdhunde

Haben Jagdhunde ein höheres Parasitenrisiko?


Die Jagdsaison hat begonnen. Die Jagd gehört zu den ältesten Traditionen der Menschheit; sie ist auch in der Bundesverfassung als behördliche Aufgabe verankert. Die Verwaltung kann auf die freiwillige und fachmännische Unterstützung der Jägerschaft (rund 30'000 Personen) und ihrer Jagdhunde zählen. Jäger müssen eine strenge Prüfung bestehen und sich weiterbilden. Der Einsatz der Jagdhunde beruht auf klaren gesetzlichen Regelungen. Haltung, Fütterung und Ausbildung der Jagdhunde ab Welpenalter müssen auch parasitologische Fragen beinhalten. Jagdhunde gehören zu den Risikogruppen für Parasiteninfektionen.


Wildtiere können zahlreiche Parasiten haben, die auf den Hund und z.T. auf den Menschen übergehen können

Der für den Menschen sehr gefährliche Fuchsbandwurm kommt bei ungefähr jedem dritten Fuchs vor - auch der Hund kann sich damit infizieren. Eher selten sind beim Wild Trichinellen; dennoch muss das für den Konsum bestimmte Schwarzwild (und etwaige Karnivoren) in einem Labor untersucht werden. Zecken sind meist wenig wählerisch und können alle (Wild-)Tierarten sowie den Menschen befallen. Grabmilben, die Erreger der Fuchsräude, sind bei Füchsen sehr häufig und gehen regelmässig auf Hunde und von dort auch auf den Menschen über. Weitere Parasiten zirkulieren zwischen Hunden und Beutetieren.

Räuber-Beute-Zyklus

Wie der alte Spruch «Jagd ohne Hund ist Schund» sagt, kann die Jagd mit einem ausgebildeten Jagdhund effizienter sein. Jagdhunde werden für ihren Einsatz beim Aufspüren und Erlegen der Beute mitunter mit einem Anteil daran belohnt. Die Praxis, beim Aufbrechen oder Zerwirken des erlegten Wildes weniger wertvolle Teile wie Drossel, Zwerchfell, Pansen, Niere oder Milz an den erfolgreichen Jagdhund zu verfüttern, ist in der Jägerschaft verbreitet. Doch durch das Verfüttern von Wildbret können Parasiten wie Spul- und Bandwürmer auf die Jagdhunde übertragen werden. Die so infizierten Hunde scheiden die Parasiten-Eier mit dem Kot aus, so dass diese wieder in die Umgebung gelangen, in der sie mit Futter oder Wasser von Rot- und Schwarzwild, Wildkaninchen oder Mäusen aufgenommen werden. Neben den Bandwürmern können auch bestimmte Einzeller wie z.B. die Sarkosporidien oder Toxoplasma gondii übertragen werden.

Regelmässige Wurmkuren und Fütterung abgekochter Fleischreste

Die regelmässige Behandlung mit Wurmkuren (12x jährlich gegen Bandwürmer und 4x jährlich gegen Spul- und Bandwürmer) und die Fütterung abgekochter Fleischreste sind einfache, aber effektive Massnahmen, um die Gesundheit der Jagdhunde zu erhalten. Gegen Zecken, Flöhe und Milben können die Hunde mit einem geeigneten Präparat geschützt werden. Dank Wurmkuren erhalten parasitäre Würmer keine Möglichkeit, sich im Wirt fortzupflanzen und Eier oder Larven zu produzieren. Das erhöht das gesundheitliche Wohl des Jagdhundes und verhindert vor allem eine Übertragung zoonotischer Parasiten auf deren Halter. Gegen die einzelligen Parasiten wirken die Wurmpräparate nicht. Das Abkochen von verfüttertem Wild inaktiviert jedoch jegliche Parasiten - vom Einzeller bis zur Bandwurmzyste - sowie andere Krankheitserreger, die im Fleisch stecken könnten

Wenig Einfluss durch Wölfe

Nach Untersuchungen in Deutschland hat die Anwesenheit von Wölfen, im Gegensatz zu den zahlreich vorhandenen Füchsen, wenig Einfluss auf die Parasitenlast von Jagdhunden, obwohl der Wolf, wie jedes Wildtier, eine Vielzahl an Parasiten beherbergt. Die hohe Infektionswahrscheinlichkeit der Jagdhunde wird durch die übliche Fütterung mit rohem Wildfleisch oder Schlachtabfällen sowie durch parasitäre Stadien aus der Umgebung verursacht. Diese werden von anderen fleischfressenden Tieren (Füchse und Hunde) ausgeschieden; dabei spielen auch Zwischenwirte wie Mäuse oder Schnecken eine wichtige Rolle.


Übertragung vom Hund auf den Menschen

Einige Parasiten können direkt oder indirekt auch auf den Menschen übertragen werden. Manche Würmer wie z.B. der Fuchsbandwurm siedeln sich beim Menschen nicht im Darm an. Nach der Aufnahme von infektiösen Stadien wandern sie durch das Gewebe oder bilden Zysten oder Tumore in Organen und führen so zu teils schweren Erkrankungen. Eine sachgerechte Behandlung von Jagdhunden ist wichtig und schützt auch die Hundehalter und deren Mitmenschen.

Die Unterlagen bieten TierärztInnen und tiermedizinischem Fachpersonal sowie der Jägerschaft und TierhalterInnen einen prägnanten Überblick. Sie dienen dem richtigen Parasitenschutz für Jagdhunde und dem Gesundheitsschutz des Menschen.


>>> Hier die Guideline 1 «Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen» herunterladen: ESCCAP-CH_GL-Endo-rev_d_def_200415_cut.pdf


>>> Hier die modulare Guideline 1 «Bekämpfung von Würmern bei Hunden und Katzen» herunterladen: e3m2vy33_0864_ESCCAP_MG1_CHDE_20191129.pdf


>>> Hier das Schema zur individuellen Entwurmung des Hundes herunterladen:

ESCCAP_2021_SchemaEndo_Hund_D_Lay01


>>> Hier den Flyer «Wie oft muss ich mein Tier entwurmen?» herunterladen:

ESCCAP_FlyerEndo_Upd2022_D_Web.pdf


>>> Hier den Expertenrat «Jagdhunde und ihr spezielles Parasitenrisiko» herunterladen:

Jagdhunde Expertenrat | ESCCAP DEUTSCHLAND



Impressum: ESCCAP Schweiz, c/o fp-consulting, Bederstrasse 4, CH-8002 Zürich, Tel. +41 244 271 06 00, info@esccap.ch, www.esccap.ch

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