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ESCCAP CH / Newsletter 02, 2022 / Fuchsbandwurm

Fuchsbandwurm – harmloser Darmparasit oder perfekt getarnter, gefährlicher Eindringling?


Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist ein kleiner, von blossem Auge kaum bemerkbarer Bandwurm. Er besiedelt den Dünndarm von Füchsen, Hunden und Wölfen. Er hat einen Zyklus mit Nagern (vor allem Wühlmäuse). Fehlwirte sind der Mensch, Affen, Schweine, Pferde und begrenzt auch Hunde. Vereinzelt können sich auch Menschen mit den Eiern des Fuchsbandwurms infizieren. Das kann nach mehrjähriger Inkubationszeit zu einer krebsähnlichen, invasiven Lebererkrankung mit vielen kleinen Zysten (Alveoläre Echinococcose, AE) führen.

Füchse auf dem Vormarsch Richtung Stadtgebiete

Der Fuchsbandwurm ist in Mittel- und Osteuropa endemisch. Er kommt in 20 – 60 % der Füchse im Mittelland und im Jura vor, weniger häufig im Alpengebiet. Südlich von Biasca im Tessin ist er bisher nicht nachgewiesen worden. Die Erkrankung ist in der Schweiz seit über 100 Jahren bekannt. Seit dem Jahr 2000 treten beim Menschen ungefähr zwei- bis dreimal mehr Fälle als früher auf. Nachdem die Füchse gegen die Tollwut geimpft worden sind, ist ihre Population stark gewachsen. Sie sind auch in den Siedlungsraum vorgedrungen. Heute gibt es mehr Füchse rund um die Städte (z.B. Zürich, Genf), am Stadtrand und im Naherholungsgebiet als auf dem Land. Deshalb sind viel mehr Menschen dem Risiko ausgesetzt, infiziert zu werden.

Wie erkennt man Fuchskot?

Füchse markieren ihren Raum mit Urin und Kot an gut sichtbaren Stellen (z.B. auf Grasbüscheln, Randsteinen, bei Abfällen). Füchse vergraben ihren Kot nicht. Die 3-8 cm grossen, etwa daumendicken Kotwürstchen sind meist an einem Ende in eine Spitze ausgezogen. Oft sind Nahrungsreste (Fruchtsteine, Mäusehaare, Knochenstücke, Insektenreste) sichtbar.

Wie lassen sich Hunde vor Fuchsbandwürmern schützen?

  • Hunde, die sich oft in Kot wälzen, sind regelmässig zu duschen.

  • Hunde sollten keine Mäuse jagen und verzehren. Ist dies nicht gewährleistet, empfiehlt es sich, die Tiere regelmässig in vierwöchigen Intervallen mit einem wirksamen Präparat zu entwurmen, damit vom Hund keine Gefahr für seine Umgebung ausgeht.

  • Füchse sind Wildtiere und sollen es bleiben. Sie sind Allesfresser: Mäuse, Vögel, Regenwürmer, Obst, Beeren und Abfälle. Füchse deshalb nicht mit Futterquellen anlocken und nicht füttern, Kompost «fuchsdicht» abdecken.

  • Füchse mit Anzeichen von Zahmheit aus dem Garten verscheuchen.

  • Aus verseuchten Gebieten importierte Hunde sind vor der Einreise einer Bandwurm-Kur zu unterziehen.

Behandlung eines mit Echinococcus infizierten Hundes

  • Mit Fuchsbandwürmern infizierte Hunde zeigen keine klinischen Anzeichen.

  • Die Behandlung hat unter tierärztlicher Aufsicht zu erfolgen und entsprechende Schutzmassnahmen zu beachten.

  • Bei nachgewiesenem intestinalem Befall soll die vorgeschriebene Praziquantel- oder Epsiprantel-Dosierung an 2 aufeinanderfolgenden Tagen (trotz hoher Wirksamkeit) verabreicht werden.

  • Vor und nach der Behandlung soll der Hund gebadet und shampooniert werden, um Parasiteneier aus dem Fell zu entfernen.

  • Der Kot soll bis 4 Tage nach Behandlung im Plastikbeutel über den Hausmüll (nicht auf dem Kompost) entsorgt werden.

  • Bei Hunden mit AE können chirurgische Eingriffe und/oder die Langzeittherapie mit Albendazol die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung verlängern; eine vollständige Heilung wird jedoch kaum erreicht.

Wie kann sich der Mensch vor dem Fuchsbandwurm schützen?

  • Hauptinfektionsweg ist der Hände-Mund-Kontakt. Die Verunreinigung der Hände erfolgt durch Berühren infizierter Endwirte mit kontaminiertem Fell oder Pelz (u.a. Hunde, erlegte Füchse) oder von Hunden, an denen Fuchskot haftet, oder durch Kontakt mit Schuhen/Sportartikeln/Geräten, die mit Eiern kontaminiert sind.

  • Gemüse, Salat, Beeren aus Freilandkulturen sowie Fallobst und in Bodennähe wachsende Waldfrüchte (Beeren, Pilze) sind vor dem Verzehr gründlich zu waschen und wenn möglich zu kochen. Tiefgefrieren nützt nichts.

  • Schuhe/Stiefel nicht im Wohnbereich benutzen.

  • Gründliches Händewaschen nach Gartenarbeit sowie nach Kontakt mit Hunden ist zwingend.

Fuchsbandwürmer sind wichtige Zoonoseerreger

Füchse verbreiten die Eier von E. multilocularis durch Kot auf Wegen, Feldern, in Gärten, auf Grünflächen, Spielplätzen, Friedhöfen usw. Der Mensch ist sehr resistent gegenüber dem Parasiten. Gemäss Schätzungen führt nur einer von hundert Kontakten zu einer Infektion. Dennoch ist die AE eine bedeutende Zoonose, weil es sich im Prinzip um eine unheilbare Erkrankung handelt. Deren Behandlung belastet Patienten stark (operative Eingriffe, lebenslange Medikamenteneinnahme) und verursacht hohe Kosten.

Die Unterlagen bieten TierärztInnen und tiermedizinischem Fachpersonal sowie TierhalterInnen einen prägnanten Überblick. Sie dienen der sachgerechten Behandlung von Hunden gegen den Fuchsbandwurm sowie dem Gesundheitsschutz des Menschen.

>>> Hier die Modulare Guideline «Bekämpfung von Würmern bei Hunden und Katzen» herunterladen: e3m2vy33_0864_ESCCAP_MG1_CHDE_20191129.pdf


>>> Hier die Guideline «Bekämpfung von Helminthen bei Hunden und Katzen» herunterladen:

ESCCAP-CH_GL-Endorev_d_def_200415_cut.pdf


>>> Hier das ESCCAP-Schema zur individuellen Entwurmung des Hundes herunterladen:

ESCCAP_2021_SchemaEndo_Hund_D_Lay01


>>> Hier den Flyer «Wie oft muss ich mein Tier entwurmen?» herunterladen:

ESCCAP_FlyerEndo_Upd2020_D_RZ


>>> Hier den Flyer «Mit Heimtieren in Europa reisen» herunterladen:

ESCCAP_FlyerReisen_Upd2022_D_Web.pdf


>>> Hier das Merkblatt «Vorsicht Fuchsbandwurm!» herunterladen:

Mitteilung (unibe.ch)


Impressum: ESCCAP Schweiz, c/o fp-consulting, Bederstrasse 4, CH-8002 Zürich, Tel. +41 244 271 06 00, info@esccap.ch, www.esccap.ch

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